„Alles gut.“ „Läuft.“ Wie oft sagen wir das und hören uns selbst dabei lügen, ohne lügen zu wollen.
Viele von uns sind es gewohnt zu tragen. Verantwortung, Entscheidungen, Risiken. Das ist womöglich Teil dessen, wofür wir uns mal entschieden haben, als wir uns selbständig gemacht haben, Kinder bekommen haben, eine Familie gegründet haben, gebaut haben, Mitarbeiter eingestellt haben. Jeder dieser mutigen Schritte geht einher mit Tragen, und Tragen kostet Kraft, keine Frage. Aber es gibt etwas zurück. Eine tragende Partnerschaft oder Familie, Kinder, die aufwachsen, zufriedene Kunden, eine Arbeit, ein Leben, das sich nach Deinem anfühlt oder eine Firma, mit der Du Deins in die Welt bringst.
Und dann gibt es bei vielen von uns diesen Kipppunkt. Nicht Krankheit, auch nicht die große Erschöpfung, ich meine eher ein Grundgefühl. Kaum jemand bemerkt es gleich, weil es sich anschleicht. Aus dem gewohnten Tragen wird Stück für Stück ein Schleppen. Dieselben Dinge, dasselbe Gewicht und doch fühlt es sich ganz anders an. Es kommt weniger zurück.
Niemand von uns wacht auf und denkt: Seit gestern schleppe ich. Es wird schleichend Alltag. Und Alltag hinterfragen wir kaum, wir tragen ihn.
Dabei gibt es Anzeichen. Die Erholung, die nicht mehr richtig erholt. Die Freude, die fehlt, wo früher Begeisterung war. Entscheidungen, die Du sonst aus dem Ärmel geschüttelt hast, fühlen sich plötzlich komplex an. Kleinigkeiten reizen Dich, die Dich früher kaltließen.
Warum wir das übersehen? Weil Aushalten und Weitermachen eine unserer größten Kompetenzen ist. Weil Aushalten und Weitermachen irgendwann in unserer Geschichte mal wichtig war. Und wenn Aushalten und Weitermachen unsere Bewertungsgrundlage ist, dann deuten wir die Hinweise weniger als Warnungen unseres Körpers, denn als Zeichen, noch eine Schippe draufzulegen. Genau das Gegenteil von dem, was es heute bräuchte.
Darum ist es so schwer innezuhalten. Früher war es vielleicht bedrohlich, heute fühlt es sich noch so an. Vielleicht geht es auch erstmal nicht darum, gleich alles hinzukriegen. Der erste Schritt kann heißen, erstmal mit der Frage zu sein.
Trägst Du noch, oder schleppst Du schon? Und seit wann? Du musst heute nichts verändern. Nur ehrlich antworten. Das reicht für den Anfang.