Notiz · 14. Juli 2026

Das Muster sortiert die Beziehungen

Da ist dieser Mensch, mit dem Du gerne mehr zu tun hättest. Du bist freundlich, diplomatisch, machst keine Umstände. Und trotzdem wird er irgendwann kürzer angebunden. Zieht sich zurück. Und Du verstehst es nicht. Du warst doch so angenehm.

Wir haben uns alle schon früh Verhaltensmuster angeeignet, die es uns ermöglicht haben, die Liebe der Eltern sicherzustellen. Denn das ist es, was unsere Aufgabe als Kind ist, denn ohne die Liebe überleben wir nicht, weder emotional noch physisch. Also werden wir zu Meistern der Anpassung und entwickeln Muster, die wie tiefe Rillen einer Schallplatte sind und mit jedem Abspielen tiefer werden. Aus diesen hilfreichen Strategien in der Kindheit werden Stolpersteine im Erwachsenenleben, die uns das Leben und das Business schwer machen.

Stell Dir vor, Deine Strategie war es, nicht anzuecken, damit Du nicht abgelehnt wirst, und Du hast sie perfektioniert über viele Jahrzehnte, weil sie früher hilfreich war gegenüber Eltern, die mit einem quengeligen, fordernden Kind überfordert gewesen wären. Also eignest Du Dir Strategien an, keine Kante zu zeigen, weich, diplomatisch und harmonisch durchzukommen. Ablehnung vermeiden um jeden Preis.

Und was ist auch so schlecht an Harmonie und Diplomatie? Das macht Dich doch zum angenehmsten Mitmenschen, Vorgesetzten, Partner oder zur angenehmsten Partnerin, die man sich wünschen kann. Stimmt, aber nur für Menschen, die ebenso überfordert wären mit fordernden Mitmenschen.

Klare Menschen spüren dagegen die Konturlosigkeit. Sie wissen nicht, woran sie sind, erleben Dich schlimmstenfalls als unaufrichtig oder anstrengend und ziehen sich zurück oder sind schnell genervt. Und voilà, genau die Ablehnung tritt ein, vor der Dich die Strategie schützen sollte. Dein Muster speichert das als Beweis, glaubt, sich noch mehr anstrengen zu müssen, und dreht weiter an der Schraube.

Die bittere Pointe: Das Muster sortiert so die Beziehungen. Es hält die, die Anpassung fordern, und vergrault die, bei denen Du sie nicht bräuchtest. So wiederholen wir das ungute Heimatgefühl, unser home away from home. So ist das mit Überlebensstrategien: Sie bescheren uns das Gegenteil von dem, was wir eigentlich suchen.

Vielleicht kann eine erste Frage lauten: Wer in Deinem Leben kennt eigentlich Deine Kanten und all das Wunderbare in Dir, das Du im Alltag zurückhältst?

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