Die Woche war lang, viele Verpflichtungen, Termine, Gespräche, und der Freitagabend naht. Endlich nichts mehr zu tun haben.
Du kannst es kaum erwarten, die Tür hinter Dir zuzuwerfen und die Welt draußen zu lassen. Du lässt Dich auf die Couch fallen und genießt die Ruhe. So zehn Minuten, dann stehst Du auf und räumst kurz die Klamotten von gestern auf. Aber halt, Du wolltest doch Ruhe. Also legst Du Dich wieder auf die Couch, bis Du Dich plötzlich vor der Spülmaschine wiederfindest, die Du ausräumst. Ok, machen wir noch kurz, aber dann ist Ruhe. Wieder auf der Couch, dauert es nur ein paar Minuten, und Du hast Dein Smartphone in der Hand. Kurz E-Mails, WhatsApp, Insta.
Dasselbe im Urlaub, den Du durchplanst, um dann alles anzuschauen.
Die Pause wäre da, aber Du kannst sie nicht genießen, mehr noch: Du hältst sie gar nicht aus. Der Ort, nach dem Du Dich sehnst, fühlt sich nicht sicher an, denn Beschäftigung reguliert. Solange Du Dich bewegst, bleibt etwas anderes in Dir still. Also machst Du weiter.
Wer früh gelernt hat, dass Stille kein guter und sicherer Ort ist, weil man plötzlich mitgekriegt hat, was im Haus los war, oder man spürte, was an Wärme fehlte oder an Kälte zu viel war, für den ist Tun schlichtweg die verlässlichere Beruhigung.
Doch wenn wir genau hinschauen, dann ist Tun nicht die Beruhigung, es ist das Gegenteil. Es ist das Beruhigungsmittel, die Ablenkung. Und sofort, wenn es ruhig wird, brauchen wir sie zur Hand. Nur wie bei jedem Beruhigungsmittel lässt die Wirkung mit der Zeit nach. Also wird der Kalender voller, die Pausen kürzer und die Urlaube ausgelassen.
Die Unruhe, wenn Du endlich frei hast, das ist der Entzug. Und die Unruhe ist das Heimatgefühl, das wir früher nicht aushielten und bis heute wegdrücken. Und das Mittel wirkt. Genau deshalb erfahren wir nicht, wogegen wir es nehmen, und unser Leben wird teilweise davon bestimmt, eine Emotion wegzudrücken, die anklopfen würde, wenn es ruhig wird. Und falls doch mal etwas auftaucht: Es ist eine Erinnerung, eine Emotion. Mehr wird es nicht, denn die Situation ist längst vorbei.
Und wenn es sich sicher anfühlt, vielleicht magst Du Dich dann fragen: Was würde in der Stille als Erstes auftauchen, das schon so lange Kontakt sucht?